Was ist Schiefergas?
Schiefergas ist Fossilgas (Erdgas), das "unkonventionnel"
aus dem Grund gefördert werden muss; dieses Gas wird
nicht wie "konventionnelles" Gas einfach durch vertikale
Bohrungen aus einem Hohlraum geholt, sondern es muss aus dem
Schiefergestein durch "Fracking" erstmal befreit
werden. Das Schiefergestein, das dieses Gas umschliesst, befindet
sich in einer Tiefe von ca. 2000 bis 3000 Meter.
Welche
Regionen sind betroffen?
Ganz Europa! u.a. Südost Frankreich, das Zentralmassiv,
die Region um Paris, Montélimar, Valvignères,
Bayern (Deutschland), Skandinavien (Schweden), Polen, Russland,
sowie in Afrika, Amerika, China, Indien und viele französische
Inseln u.a. im Pazific, sowie riesige Flächen unter dem
Meer.
Ab
wann sollen die Bohrungen/Förderungen starten?
Sie sollen (dank unserer Aktion sollten) ab 2011
in Villeneuve-de-Berg starten und Anfang 2012 in Valvignères.
Diese zwei Bohrungen sollten die ersten in Europa sein; dann
war geplant, sehr schnell in weiteren Teilen Europas zu bohren,
in erster Linie in Polen. In den 10 letzten Jahren wurden
viele solche Bohrungen in den USA (500'000) und in Kanada
(35'000) durchgeführt; Die Folgen dieser Bohrungen dort
sind ein Desaster fûr die Umwelt und (erst) seit einigen
Monaten wird das Thema von Journalisten und Medien endlich
publik gemacht.
Wer
ist dafür, wer ist dagegen?
Die Debatten finden jenseits der politischen Parteien statt
und sollen politisch neutral bleiben. Es handelt sich um unseren
Planeten, um die Zukunft nachfolgender Generationen, und nicht
nur um einen kleinen Dorfstreit. Der Gemeinderat in Valvignères,
ein Patchwork aller politischen Tendenzen, hat am Dienstag,
den 25 Januar 2011 EINSTIMMIG gegen die Recherchen sowie die
Förderung von Schiefergas abgestimmt. Am 28. Januar hat
Villeneuve-de-Berg das gleiche Gesetz verabschiedet und viele
anderen Gemeinden sind dem seitdem gefolgt. Leider sind die
Bürgermeister inzwischen vor Gericht von dem amerikanischen
Firmen verklagt worden, weil ein französischer Bürgermeister
keine Bohrungen fûr seine eigene Gemeinde verbieten
darf.
Befürworter der Bohrungen sind eigentlich nur die Bohrfirmen
selber, ihre Aktionäre und Freunde und die Lobby der
Energie-Firmen, sowie die Unternehmen, die davon abhângig
sind, wie z.B. VW etc.
Welches
Verfahren wird verwendet?
Erst gibt es eine vertikale Bohrung bis zu einer Tiefe von
3500 Metern, dann davon ausgehend bis zu 8 horizontale, sternförmige
Bohrungen (gesprengt) in einem Umkreis von bis zu 2000 Meter.
Wie
wird das Gas extrahiert?
Durch Fracking, eine amerikanische Methode. Die horizontalen
Bohrungen wird gesprengt, um die Schieferschichten aufzureißen;
gleich darauf werden riesigen Mengen an Wasser in die Bohrung
gepumpt, angereichert mit 4% Sand und 1% an gefährlichen
Chemikalien, mit einem Druck von 300 Bar(!).
Der Sand sorgt dafür, daß die Risse im Schiefergestein
offen bleiben und das Gas herauslassen; die Chemikalien sorgen
dafür, daß die Maschinen nicht korrodieren und
der Lehm flüssig bliebt.
In Amerika wurden über 500 Chemikalien aufgelistet, die
ins Grundwasser gelangt sind (die offizielle Liste bleibt
Industriegeheimnis).
Beim Fracking wird bei jeder vertikalen Bohrung 8 mal in die
Horizontale gesprengt und dann noch weitere 18 mal innerhalb
jeder der horizontalen Risse (das heisst: pro vertikale Bohrung
8 x 18 Sprengungen = 144 Mal) Pro Bohrung wird dabei eine
Wassermenge von 6 Olympischen Schwimmbädern verwendet.
In unserem Fall sollte das Wasser per LKW von der Rhone abgeholt
werden. 144 mal 6 olympische Schwimmbäder per LKW, auf
dafür schnell gebauten, neuen Strassen ziemlich überall
in der Ardèche, und das pro vertikale Bohrung (man
spricht von 10 bis 12 Bohrungen allein in Valvignères
und Villeneuve-de-Berg). Das hört sich nicht gut an und
gibt einem zu denken...!
Was
sind die sichtbaren Gefahren?
Luftverschmutzung
durch das Verbrennen der überflüssigen Gase. Ein
Teil des Fracking-Wassers (ca. 50%) wird wieder mit dem Gas
rausgepumpt und wird draussen, inklusive der Chemikalien,
gelagert und verdunstet(!) ; die anderen 50% bleiben in der
Erde, zusammen mit dem Rest der Chemikalien des Frackings.
Viele dieser Chemikalien sind krebserregend und sehr gefährlich
für die Natur und den Menschen.
Ausserdem werden in den ersten Monaten/Jahren alle Gase einfach
vor Ort verbrannt, bis die Firma sicher sein kann, daß
es sich rentiert die Gasrohre für eine richtige Förderung
zu legen; da muss sich nicht nur der Eisbär Sorgen machen...!
Was
ist das HAUPTRISIKO?
- ein zu starkes Fracking, daß
eine Verbindung zwischen der Schicht des Schiefergesteins
und der Schicht des Grundwassers erzeugt (dies
ist in den USA schon mehrfach passiert).
- Eine undichte Stelle der vertikalen Bohrung in der Höhe
eines Trinkwasser Hohlraums (dies ist in Kanada schon passiert).
- Ein Fracking
in der Nähe einer Erdspalte, durch die Wasser fließt
(wie z.B das Sprudelwasser aus Vals-les-Bains) und dadurch
eine Berührung zwischen diesem Wasser und dem mit Gas
und Chemikalien belasteten Schiefergestein.
Selbstständige
Energieversorgung?
In einer Zeit, in der man über die Reduzierung der Treibhausgase
und des Energieverbrauchs spricht, bedeutet die Förderung
von Schiefergas und von Schieferölen einen Rückschritt,
denn die Technik ist sehr energieaufwendig und umweltverschmutzend.
Wissenschaftler schätzen, daß ungefähr die
Hälfe der Energie für den Förderprozess verschwendet
wird, zusätzlich zu den auftretenden Verschmutzungen.
Ausserdem kommt die Technologie aus Amerika, und Frankreich
(Europa) muss sich auf amerikanische Firmen für die Förderung
einlassen.
Rentabilität? Ertragsfähigkeit!
Für die wenigen Investeure, die an diesen Firmen beteiligt
sind, bedeuten diese Bohrungen einen extremen Ertrag. Ein
Beweis dafür: alleine für Villeneuve-de-Berg werden
in der Recherchephase 40 Millionen Euro zur Verfügung
gestellt, ohne dass in dieser Zeit Geld verdient wird (das
Gas wird bei dieser Phase zu 100% vor Ort verbrannt).
Im Gegensatz dazu ist das Verfahren für den Menschen
und die Natur ein irreparables Verbrechen (über und unter
der Erde).
Wird
die Umwelt berücksichtigt?
Die Genehmingungen, die im März 2010 vom französischen
Staat gegeben wurden - ohne die Gemeinden zu informieren -
wurden erstaunlicherweise von den normal üblichen, vorbereitenden
Umwelt-Erforschungen befreit!
Recherchen
oder Förderungen?
Die Recherche-Phase von 2011 bis 2013 benutzt die gleichen
Methoden, wie die Förderungsphase, ab 2013 geplannt.
Zweifelsfrei wird sich die eine oder andere Region als sehr
lukrativ entpuppen. Aber selbst wenn sich diese Region in
Polen befinden sollte, ist es wichtig, füreinander einzustehen,
weil diese Verwüstung und Plünderung nicht nur im
Boden vor Ort Konsequenzen haben wird, sondern Veränderungen
für die ganze Erde und ihr Klima bedeutet.
Touristischer
Aspekt?
Stellen Sie sich vor, es gäbe eine Verschmutzung in einer
Bohrung einige Kilometer von "Fontaine de Vaucluse"
entfernt, einem der berühmtesten Wasser-Brunnenorte Europas,
dessen Wasser noch in weiter Entfernung unter der Erde fliesst!
Oder stellen Sie sich die touristische Attraktivität
eines Bohrturms in der Nähe des Pont-d'Arcs oder des
Eiffelturms vor! (ja, Paris steht auch auf einer schieferölreichen
Zone, das sollten wir hier mal anmerken...!).
Aspekte
für die Landwirtschaft?
Es ist noch Zeit, aber der Ernstfall rückt immer näher
für die betroffenen Zonen.
Würden Sie Biowein (oder Wein) aus der Ardeche, Oliven
aus Nyons, Erbeeren aus der Pariser Region oder biologisches
Gemüse aus dem Zentralmassiv kaufen, wenn diese Naturprodukte
am Fuß eines Bohrturm produziert wurden und mit "leicht"
kontaminiertem Wasser bewässert werden? Was wäre,
wenn wir nur noch Wasser aus der Flasche trinken könnten...
aus einer Quelle die auch irgendwo aus der Erde kommt? (wir
trinken in Frankreich ja noch zu 90% Leitungswasser).
Eine Schlange, die
sich in den Schwanz beisst?
Kleine persönliche
Anmerkung...
Ach ja, bei uns in Intras kommt das Wasser aus der Leitung
und wir trinken's gern und vertrauensvoll. Dieses Wasser ist
sogar sehr gut und stammt aus einer Bohrung, die Luftlinie
1400 Meter von der geplanten ersten Bohrung steht (von ihrer
senkrechten Achse). Wenn wir in Zukunft in Valvignères
nur noch Wasser aus der Flasche trinken dürfen, müsste
man dafür Plastikflaschen produzieren, sie füllen,
sie bis zum Geschäft transportieren, sie abholen und
sie zur Müllabfuhr geben damit sie recycelt werden (das
soll ökologisch sein?...).
Und, DANK DES SCHIEFERGASES würden wir die ganze nötige
Energie zur Verfügung haben! Wir könnten australisches
Wasser besorgen! Wenn ich mich nicht täusche gibt's dort
kein Schiefergestein und deswegen kein Risiko daß das
Wasser kontaminiert wird!
Ist das nicht schön?
Das
war's zum Thema "kurze Zusammenfassung der Situation".
Wenn Sie über die Fortschritte unserer Aktion informiert
werden wollen, zögern Sie nicht, sich bei mir zu melden.
Danke für ihre Aufmerksamkeit,
Cordialement,
Denis ROBERT
Zur
Info: hier ist noch (in Französisch) ein Dokument des
Projekt
GDF-Suez, der Firma, die in Kooperation mit einer amerikanischen
Firma die Genehmigung für die Bohrungen von Villeneuve
de Berg besitzt. Dieses Dokument soll pädagogisch und
beruhigend wirken. Dort wird über Abstimmung, Information
der Bevölkerung, vorbereitende Umweltrecherchen
gesprochen... doch wir selbst (und alle andere Gemeinden nach
uns) haben von der Existenz dieser Projekte, seit März
2010 erlaubt, erst im Januar 2011 erfahren.
Es gibt einen offensichtlichen Unterschied zwischen dem Geschriebenen
und der Realität vor Ort... Am 8. Februar 2011 - damals
standen die ersten Vorbereitungen für Bohrungen in Villeneuve
de Berg unmittelbar bevor - waren wir noch alle auf der Suche
nach Informationen mit unseren eigenen bescheidenen Mitteln.
Vor allem aber wurde bisher keine unabhängige Untersuchung
über die eventellen Konsequenzen für die Umwelt
gemacht!
Das Dokument spricht über Abstimmung, Information
der Bevölkerung, vorbereitende Umweltrecherchen?